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Brücken Bauen – Vorurteile Abbauen

Lasst uns doch eine Brücke bauen zum muslimischen Teil unserer Gesellschaft – und Vorurteile abbauen. Denn das Thema Homosexualität, Islam und Migration haben wir bisher in der Region noch kaum in Blick genommen.

Doch wir wollten das Thema nicht bierernst angehen, sondern mit Humor. Und so begann der Abend mit der Berlinerin Serpil Pak, die „lesbische Bundestürkin“, „Orientwalküre“ und Psychologin, die bei dieser Thematik kein Blatt vor den Mund nimmt.

Sie nahm die nahm nicht nur Türken und Muslime aufs Korn, sondern natürlich auch Deutsche, Lesben, Schwule, Italiener, Russen und viele weitere Minder- und Mehrheiten, die sie aus der psychologischen Praxis, als Lesbe und nicht zuletzt als aufmerksame Beobachterin der Berliner Gesellschaft bestens kennt. Missverständnisse, die beim Zusammentreffen der Communitys entstehen, wurden von Serpil Pak gesten- und wortreich inszeniert: So wird die Christopher-Street-Day-Parade von einem ehrbaren türkischen Familienvater für einen „Karneval im Sommer“ mit „schönen Frauen“ (tatsächlich Drag Queens) gehalten und diese der Tochter Aişe als modisches  Vorbild empfohlen.

Nach dem Comedy-Teil diskutierte ich mit Serpil Pak, Wolfgang Erichson und den Publikum. Erichson, Heidelberger Bürgermeister für Chancengleichheit und Integration, überraschte die BesucherInnen mit seinen Erfahrungen aus der Zeit, als er frisch in sein Amt gewählt worden war. Von Teilen des Heidelberger Bildungsbürgertums wurde er alles andere als herzlich empfangen. „Jetzt haben wir doch einen Schwulen, das reicht doch“, beschrieb Erichson die Position von Teilen der Heidelberger Bildungsbürgern, denen der Ruf nach mehr Sichtbarkeit von Homosexuellen in Politik und Gesellschaft wohl schon durch die Präsenz eines einzigen Homosexuellen bei der Heidelberger Verwaltung  unheimlich wurde. Erichson wies auch darauf hin, dass die vielen Vorurteile und  Diskriminierungen gegenüber Homosexuellen oftmals nicht auf der Religion, sondern eher auf einer patriarchalischen Männlichkeitskultur beruhten. So erregte Erichsons Besuch mit seinem Ehemann in einer Heidelberger Moschee keinerlei Aufsehen. Der Besuch einer katholischen Kirche dagegen sehr…

Bei der Vorbereitung des CSD-Abends  stieß ich auf eine für mich überraschende Studie des BKA: Demnach sind bei Ehrenmorden bis zu einem Drittel Männer die Opfer. Oft ist bei diesen Fällen von einem homophoben Hintergrund auszugehen. Ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass manche RichterInnen und StaatsanwältInnen bei Ehrenmorden – egal ob an Frauen oder Männern – mildernde Umstände walten lassen, da Ehrenmorde Teil der türkisch-muslimischen Kultur seien. Ich pflichte Serpil Pak bei, dass sich Migrantinnen an die deutschen Gesetze halten und zum Maßstab nehmen müssen. Ein Festhalten und eine Konservierung von repressiv-patriarchalischen Moralvorstellungen, die auch in den Herkunftsländern inzwischen kritisch hinterfragt werden, dürfen wir nicht akzeptieren. Und aus falsch verstandener Political Correctness unterschätzen und unterfordern wir oft die MigrantInnen in Bezug auf Toleranz und Akzeptanz, so das Ergebnis der Diskussion.

Mein Fazit: Zivilgesellschaft und Politik müssen Beratung und Information gerade auch für nicht heterosexuelle MigrantInnen anbieten, da diese einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt sind. Die Vorurteile und die damit einhergehende Diskriminierung dürfen auf keinen Fall aus einer falsch verstandenen Toleranz gegenüber MigrantInnen totgeschwiegen werden. Echte Benachteiligung aufgrund der sexuellen Orientierung in und außerhalb von Migrantengemeinschaften müssen wir öffentlich diskutieren. Daran müssen auch die moslemischen und generell die verschiedenen Migrantengruppen teilnehmen.

Am Samstag, 13. August, fand wieder die CSD-Parade durch die Mannheimer Quadrate statt. Der CSD-Verein Rhein-Neckar konnte mit 40 teilnehmenden Gruppen Rekord vermelden. 60.000 ZuschauerInnen wohnten der Parade bei. Besonders gefreut hat mich, dass an der Parade auch Lambda Bydgoszcz teilgenommen hat. Lambda ist eine polnische Organisation, die in der Mannheimer Partnerstadt Bydgoszcz für die Gleichberechtigung von Homosexuellen und Transgender kämpft und Beratungs- und Informationsangebote bereit hält. Mit diesem Besuch haben wir den regen Austausch mit unseren FreundInnen von Lambda fortgeführt. Noch sind die Unterschiede in Bezug auf Offenheit, Anerkennung durch die Politik und generelle Toleranz gegenüber Homosexuellen zwischen Mannheim und Bydgoszcz sehr groß. Aber wir arbeiten daran…