Hier ist Platz für meine Botschaft.

Medienecho

Lasst den Markt wirken

Handelsblatt | Lebensversicherungen geht es schlecht. Kein Grund für Subventionen, glaubt Gerhard Schick.

Letzte Woche hat an dieser Stelle Alexan der Erdland, der Präsident des Verbandes der Versicherungswirtschaft (GDV), über Selbstbetrug in der Altersvorsorge geschrieben. Leider ist auch der GDV nicht frei davon und verhält sich wie ein Autofahrer, der Gas und Bremse verwechselt.

Zunächst stimme ich Herrn Erdlands These zu, wir Deutschen würden uns selbst betrügen, unsere Altersvorsorge sei intransparent und widersprüchlich. Das liegt jedoch auch an den Versicherungen selbst. Denn viele Produkte sind intransparent und zu teuer. Zudem muss die Politik endlich dafür sorgen, dass Geringverdiener im Alter ihre privaten Ersparnisse nicht gänzlich an den Staat abtreten müssen. Dies passiert derzeit, da Einkünfte und Vermögen voll auf die Grundsicherung im Alter angerechnet werden.

Die zentrale Schlussfolgerung von Herrn Erdland jedoch – die Subventionen für privates Sparen zu erhöhen – ist das Gegenteil dessen, was nötig ist. Schließlich sind die langfristigen Zinsen deshalb so niedrig, weil mehr Sparkapital vorhanden ist, als Investitionskredite nachgefragt werden. In dieser Zeit das Sparen steuerlich zu fördern ist ähnlich hilfreich, wie beim Auto vor einer scharfen Kurve aufs Gas statt auf die Bremse zu treten. In der Folge würden die Zinsen – der Preis für das schon heute überschüssige Sparkapital weiter fallen, und das Problem würde verschärft.

Das gilt insbesondere für Deutschland, wo die inländische Ersparnis größer ist als die Investitionen. Während in den letzten 15 Jahren die Ersparnisse von 20 Prozent des BIP auf über 24 Prozent geklettert sind, sind die Investitionen von in der Spitze über 22 Prozent auf nur mehr 17 Prozent des BIP eingebrochen. Anstatt also Anreize für privates Sparen zu setzen, sollten private und öffentliche Investitionen gefördert werden.

Der Ruf nach Subventionen hat vor allem etwas mit der Lage der Branche zu tun. Die Bundesbank hatte 2013 einen Stresstest durchgeführt und kam zum Schluss, dass bei anhaltendem Niedrigzins 43 Prozent der Lebensversicherer gefährdet seien. Auch der Internationale Währungsfonds warnt vor einer Krise der Lebensversicherer in Deutschland.

Natürlich eilt der Staat eifrig zu Hilfe. Vier Rettungsgesetze hat es nun schon gegeben: Steuerwirksamkeit der RfB auf vier Jahre verdoppelt, Einführung einer Zinszusatzreserve, Einbehalt der Bewertungsreserven, Teilkollektivierung der RfB hinter diesen technischen Begriffen stehen jedes Mal Maßnahmen, die Milliardenbeträge neu zuordnen und die die Branche stabilisieren sollten.

Anstatt die Unternehmen zulasten der Kunden zu sanieren, sollten zunächst einmal die Eigentümer der Unternehmen ihren Beitrag leisten. Wie kann es sein, dass nach dem Stresstest 2013 immer noch Dividenden ausgeschüttet werden dürfen? Die Bundesregierung hat erst auf massiven Druck der Opposition eine Einschränkung der Dividendenzahlungverfügt. Sie ist aber löchriger als ein Schweizer Käse.

Es wird Zeit, dass wir die Regeln der Marktwirtschaft auch in der Finanzindustrie wieder beachten. Statt nach rettenden Subventionen zu rufen, sollten die Versicherer ihrer unternehmerischen Verantwortung gerecht werden, ihre Kapitalbasis stärken und Gewinne konsequent einbehalten.