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Vom Preis eines Professors

In der Zeugenbefragung vom 29. September mussten zwei Herren dem Ausschuss Rede und Antwort stehen, die dank ihrer Professorenwürde eigentlich nicht in der Ecke zusammen mit den Cum-Ex Betrüger*innen zu erwarten wären. Doch genau dies war ihr Wert.

Die Professoren Joachim Englisch von der Universität Münster und Marc Desens von der Universität Leipzig wurden vom wohl größten Cum-Ex Betrüger, Hanno Berger, direkt bezahlt. Er vergütete die Professoren für private Gutachten fürstlich. So sagte beispielsweise Professor Englisch aus, dass er 500-600 Euro pro Stunde verrechnet habe. Soviel verdienen die meisten Arbeitsnehmer*innen in Deutschland nicht pro Stunde sondern pro Woche. Auch für die Professoren war es offenbar ein sehr einträgliches Geschäft. So verdienten sie mit privaten Gutachten in zwei Tagen mehr, als sie als staatliche Professoren pro Monat erhalten.

Doch warum waren die Professoren den Betrüger*innen so wichtig? Ganz einfach, ein Gutachten von einem Professor einer staatlichen Hochschule imponiert potentiellen Investor*innen, sichert Bankvorstände rechtlich ab und dient als Beleg gegenüber Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsgremien. Denn diese können jeweils Kritik an ihrem Verhalten dadurch entkräften, dass sie sich auf die Expertise eines renommierten Steuerexperten verlassen hätten. Damit haben diese Gutachten eine wichtige Funktion in der Betrugsgeschichte. Diese war den an den Aufträgen interessierten und bei Finanzmarktfragen nicht wirklich kundigen Professoren möglicherweise selbst zunächst nicht ganz klar.

Von einem staatlich finanzierten Professor erwartet man eigentlich ein anderes Verhalten. Gerhard Schick formulierte das im Ausschuss deutlich. Er machte klar, dass in seinen Augen ein Professor einer staatlichen Hochschule nicht Betrügern helfen sollte, den Staat auszuplündern, sondern verpflichtet wäre, dem Staat zu helfen, diese Machenschaften zu stoppen. Forschung wird schließlich gefördert, weil sie zum Gemeinwohl beitragen soll. Professor Englisch zeigte hier allerdings während der Ausschusssitzung kein Schuldbewusstsein.

Doch es kommt noch besser: Die privaten Gutachten wurden von den Professoren leicht abgeändert als Fachartikel veröffentlicht – natürlich nicht ohne vorherigen Austausch mit Hanno Berger. Somit konnte der Cum-Ex Strippenzieher gezielt die herrschende Rechtsmeinung beeinflussen und die Geschäfte als legal darstellen. Tatsächlich gelang es erstaunlich lange, eine eigentlich absurde Rechtsauffassung (dass man für einmal gezahlte Steuer mehrfach Erstattung bekommen kann) als plausibel zu verkaufen. Für die Glaubwürdigkeit waren die Professorentitel natürlich von unvorstellbarem Wert und diesen ließen sie sich auch gut bezahlen.