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Mythen der Finanzkrise 1: Lehman-Pleite kam wie ein „Blitz aus heiterem Himmel“

Als im Herbst 2008 die HypoRealEstate und andere deutsche Banken kippten und Aufsicht und Regierung darauf überhaupt nicht vorbereitet waren, entschuldigten sich die Verantwortlichen in Deutschland mit einer Ausrede, die viele glaubten: Das habe niemand vorhersehen können.

Die Lehman Pleite habe das alles ausgelöst und die sei wie „Ein Blitz aus heiterem Himmel“ gekommen, so etwa Jochen Sanio, damals Chef der deutschen Bankenaufsicht, während seiner Vernehmung im Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Scheitern der Skandalbank Hypo Real Estate. Weder seine Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), noch die Bundesbank unter der Leitung von Axel Webers, die ebenfalls für Bankenaufsicht zuständig ist, hätten das vorhersehen können.

Doch der Blick zurück zeigt, dass das Unfug ist. Vor 10 Jahren, ein halbes Jahr vor der Lehman-Pleite kippte bereits eine andere Investmentbank in den USA und musste gerettet werden. Spätestens da hätten man in Deutschland beginnen müssen, sich auf das Schlimmste vorzubereiten.

Die US-Investmentbank Bear Stearns musste im 4.Quartal 2007 ihren ersten Verlust in der Unternehmensgeschichte erleiden, weil zwei ihrer Hedge-Fonds im Zusammenhang mit dem Kollaps am amerikanischen Hypothekenmarkt zusammenbrachen. Die Bankenmanager verleugneten trotz vieler Befürchtungen und Gerüchte Liquiditätsprobleme. Doch dann ging es ganz schnell. Am Freitag den 14. März 2008 räumt die fünftgrößten Investmentbank an der Wall Street eine „deutliche Verschlechterung der Liquiditätslage in den letzten 24 Stunden“ ein, die Aktie stürzt daraufhin um 47 % ab. Am Sonntag (16.03.2008) macht die drittgrößte amerikanische Bank JP Morgan Chase ein sehr geringes Übernahmeangebot für die schwer angeschlagene Konkurrentin. Die amerikanische Zentralbank (Fed) übernimmt Verluste von Bear Stearns in Höhe von 29 Mrd. US-Dollar. Am darauf folgenden Dienstag (18.03.2008) senkt sie den Leitzins von 3,00% auf 2,25%.

Die FAZ hat den Vorgang damals detailliert festgehalten und leitete den Artikel mit der Formulierung ein: „Die Krise an den weltweiten Finanzmärkten hat einen neuen Höhepunkt erreicht.“

Während in der Schweiz ganz konkrete Vorbereitung für das später tatsächlich eintretende Scheitern der UBS getroffen wurden, wurde in Deutschland nicht einmal das für solche Krisenprävention zuständige Gremium einberufen. Während in Großbritannien ein Gesetz gemacht wurde, um kippende Banken ohne rechtliche Schwierigkeiten zur Not verstaatlichen zu können, verzichtete Deutschland darauf und bezahlte dafür teuer. So versagten in Deutschland Aufsicht und Finanzministerium und schlitterten völlig unvorbereitet in den Krisenherbst 2008.