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Fakten zu Lebensversicherungen

Nachdem der sonst so gut informierte Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) mit seinem starken PR-Bereich nicht auf Fragen reagiert, obwohl er Fakten in Zweifel gezogen hat, hier nochmal kurz und knapp:

1.) Die Lebensversicherer haben 2006 einen Jahresüberschuss von weniger als 1,3 Milliarden Euro erzielt. 2016 betrug dieser 1,45 Milliarden Euro. Dies bedeutet ein Plus von mehr als 13 Prozent. Die Beteiligung der Versicherten am Rohüberschuss lag 2006 bei rund 15,3 Milliarden Euro und sank auf 8,9 Milliarden Euro im Jahr 2016. Dies entspricht einem Minus von fast 42 Prozent. Dies sind Zahlen, die wir von der Bundesregierung erhalten haben. Ich denke, hier ist die Frage erlaubt, ob das eine faire Lastenteilung ist.

2.) Die Versicherten wurden 2006 mit 92,6 Prozent am Rohüberschuss beteiligt, 2016 waren es 85,9 Prozent (in den 90ern lag die Beteiligung übrigens regelmäßig über 97 Prozent). Die Versicherten haben ihre Policen in der Hoffnung abgeschlossen, dass genau diese Beteiligung hoch ausfällt. Die Zinsgarantien waren sicher nicht das Hauptargument für den Abschluss einer Police in den Verkaufsgesprächen. Nun sind die Rohüberschüsse auch aufgrund von Umständen, für welche die Versicherer nicht die Hauptverantwortung tragen, gesunken. Aber ich erwarte, dass zumindest der Anteil an diesen geringeren Überschüssen nicht sinkt, wenn die Versicherten schon deutlich weniger bekommen als erwartet.

3.) Durch Gewinnabführungsverträge wurden 2006 238,2 Millionen Euro abgeführt, 2016 dann 1.114,7 Millionen Euro. Die Summe hat sich also in dieser Zeit um mehr als den Faktor 4 erhöht. Hinzu kommt: Zwischen 2014 und 2016 wurden 3,2 Milliarden vom Gewinn der Lebensversicherer abgeführt. Selbst wenn die Versicherer in dieser Zeit, wie vom GdV angegeben, das Eigenkapital um 2,3 Milliarden erhöht haben, wird angesichts eines Gesamtjahresüberschusses der Lebensversicherer von 4,6 Milliarden Euro klar: Von den 3,2 Milliarden Euro abgeführten Gewinnen sind maximal nur rund 0,8 Milliarden als Eigenkapital wieder zurückgeflossen. Das Eigenkapital wurde mit weniger als der Hälfte des erzielten Gewinns gestärkt. Ich denke, dies zeigt, dass das Ausschüttungsverbot nicht greift.

Zusammengefasst heißt das für mich: Das Gesetz von 2014  erweist sich im Hinblick auf eine nachhaltige Stabilisierung und eine faire Lastenteilung zwischen Versicherten und Versicherungen als weitgehend symbolischer Akt. Das war schon damals erkennbar. CDU/CSU und SPD haben die Kundinnen und Kunden trotzdem damit abgespeist. Stabilität oder eine faire Lastenteilung wird so nicht erreicht. Das muss jetzt dringend korrigiert werden.

Die Krise der Lebensversicherer geht zu Lasten der Versicherten. Sie schultern mit geringeren Überschussanteilen die Probleme der Unternehmen. Die Versicherer streichen dagegen ihre Gewinne wie eh und je ein. Dabei verringern sie auch noch die nachhaltige Stabilität der Unternehmen, in dem sie die Gewinne mit der Hebung stiller Reserven finanzieren. Eine wirksame Ausschüttungssperre für die Eigentümer gibt es nicht, weil sie einfach umgangen wird.

 

Hier finden Sie die komplette Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage (der Teil zu den Lebensversicherern ist ab S. 23 zu finden).