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Schiffsfinanzierungen: Die deutsche Blase, von der niemand sprechen will.

Mit der weltweiten Finanzkrise brach auch der Schifffahrtsmarkt ein. Fracht- und Charterraten sanken um bis zu 80 Prozent. Deutsche Banken als zentrale Finanziers von Schiffen waren und sind durch diese Entwicklung existenzgefährdend belastet. Sie hatten sich viel zu stark auf diesen Bereich fokussiert. Gerade Banken aus dem öffentlichen Sektor drehten an diesem Rad mit. So wurde die HSH Nordbank mit einem Portfolio von rund 40 Milliarden sogar zum größten Schiffsfinanzier weltweit. Bis zu 120 Milliarden Euro hatten deutsche Kreditgeber zwischenzeitlich insgesamt vergeben. Die deutschen Banken hielten mehr als 40 Prozent Anteil am weltweiten Schiffsportfolio, bei einem Anteil Deutschlands am Welthandel von rund 7 Prozent. Dies zeigt eindrucksvoll, welche überdimensionierte Rolle die Schiffsfinanzierungen in Deutschland spielten und zum Teil auch noch spielen. Weder Bankenvorstände noch Politik schritten hier lange Zeit ein. Stattdessen wurde die Entwicklung teils noch befeuert.

Selbst im Verlauf der Schifffahrtskrise stieg bei zahlreichen Banken der Anteil der Schiffskredite am gesamten Kreditportfolio weiter. Mehr als ein Fünftel aller Kreditgeschäfte der Bremer Landesbank und der HSH Nordbank entfielen auf den Schiffsmarkt. Dass dies keine sinnvolle Risikodiversifikation sein kann, dürfte eigentlich jedem klar sein. Doch die Finanzaufsichtsbehörde BaFin schaute weitgehend tatenlos zu. Selbst im Verlauf der Krise sah es die Behörde als nicht erforderlich an, Banken zu einer Reduzierung der Schiffskredite zu drängen. So kam es, dass den Steuerzahlenden durch notwendige Rettungsmaßnahmen insbesondere von Landesbanken ein Schaden im Milliardenbereich entstand. Auch Anlegerinnen und Anleger waren durch massive Verluste von geschlossenen Fonds in diesem Bereich betroffen. Und noch immer müssen deutsche Banken hohe Beträge in diesem Bereich abschreiben.

Letztlich muss leider festgestellt werden: Die Schiffsfinanzierungsblase ist ein wichtiger Bestandteil der großen Finanzblase, den es so nur in Deutschland gegeben hat. Dass es so weit kommen konnte, ist ein weiterer klarer Beleg dafür, wie sehr die Aufsicht und die Bundesregierungen im Rahmen der Finanzkrise geschlafen haben. Dass Banken ein solches Klumpenrisiko bilden und dieses in der Krise sogar noch ausweiten konnten, hätte nie passieren dürfen, zumal nun in einigen Fällen mit Steuergeldern die entstandenen Lücken gefüllt werden müssen. Doch anstatt wenigstens die damaligen Fehlentscheidungen öffentlich aufzuarbeiten, haben sich die Verantwortlichen in ihr Kämmerlein zurückgezogen. Dabei wäre es so wichtig, aus den Fehlern für die Zukunft zu lernen.

Hier der Link zu unseren Kleinen Anfrage zu dieser Thematik.